Zeckenzeit - Gollys Pfoetchenwelt

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Experten geben keine Entwarnung bei Zeckenkrankheiten

2012 war kein Zeckenjahr. Die kleinen Blutsauger waren deutlich weniger aktiv als in den Vorjahren. Auch die Erkrankungen an Borreliose und FSME lagen unter dem langjährigen Durchschnitt. Dennoch geben Experten keine Entwarnung, so das Ergebnis eines Internationalen Kongresses über Zeckenkrankheiten in Weimar. Schwankungen seien in der Fall-Statistik der letzten zehn Jahre nicht ungewöhnlich. Dass die Erkrankungen im letzten Jahr rückläufig waren, ließe zudem keinen Rückschluss auf die reale Gefahr oder die Bedrohung im Folgejahr 2013 zu. Die vorübergehende Abnahme von Fällen könne sogar dazu führen, dass die Gefahr unterschätzt wird.
Über die Gründe für den Rückgang sind sich die Forscher uneins, trotz beständiger Fortschritte in der Zeckenforschung. Die Biologen Dr. Hans Dautel und Dr. Olaf Kahl von tick-radar Berlin – die seit Jahren die Zeckenaktivität in Deutschland untersuchen - haben den überdurchschnittlich kalten Februar 2012 im Verdacht, den Zecken geschadet zu haben. Und das überall in den Gebieten Deutschlands, wo keine schützende Schneedecke den Boden bedeckte. Der jetzige lange, aber schneereiche Winter habe den Zecken dadurch wohl nicht geschadet.

Trotz Tiefstand geben Experten keine Entwarnung für 2013
Auch Dr. Jochen Süss, Mitveranstalter des Kongresses und ehemals Leiter des Referenzlabors für durch Zecken übertragene Erkrankungen am Friedrich-Löffler-Institut, betont: „Der völlig falsche Schluss wäre anzunehmen, dass sich das Infektionsrisiko in den bekannten FSME-Risikogebieten Europas bleibend reduziert und man in den Impfanstrengungen nachlassen kann.“ Denn: Verschiedene Faktoren haben einen Einfluss darauf, ob sich Menschen durch einen Zeckenstich mit FSME infizieren. Wichtig sind das Vorkommen von Nagern (Hauptwirte der Zecke), die Durchimpfungsrate, die klimatischen Bedingungen und das Wetter. Letzteres beeinflusst sowohl die Zeckenaktivität als auch das menschliche Verhalten. Ist das Wetter schön, insbesondere am Wochenende, halten sich Menschen verstärkt im Freien auf. Es kommt häufiger zu Zeckenstichen – und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion. Auch hier entscheidet das Prinzip Zufall: Nicht jede Zecke trägt das Virus in sich. Ist der Blutsauger aber mit FSME-Viren belastet, gibt er die Viren auch an den Wirt weiter. Dass 2012 halb so viele Neuerkrankungen gemeldet wurden wie 2011 bedeutet daher keine Entwarnung: Jeder, der sich ungeimpft in FSME-Gebieten aufhält, trägt nach wie vor das Risiko einer Infektion nach einem Zeckenstich. Ein einziger Stich kann schwere Schäden bis hin zum Tod zur Folge haben. Während die FSME in Deutschland schon seit Jahren zu den meldepflichtigen Erkrankungen gehört, gilt dies seit September 2012 nun auch erstmals für die gesamte EU.
Weltweit haben Zecken eine enorme Bedeutung als Übertäger unterschiedlichster Erreger, über deren Verbreitung und Folgen die Wissenschaftler immer mehr herausfinden. Hilfreich sind ihnen dabei Einrichtungen wie die britische Tick Cell Biobank. Seit ihrer Gründung 2009 können hier akademische Forschungseinrichtungen (Non-Profit-Organisationen) aus aller Welt die für ihre Experimente erforderlichen Zellinien beziehen. Um mehr über die Beziehung und Dynamik von Erregern und Zecken zu erfahren, stehen dabei den Forschern Zellkulturen von Schild- und Leder-Zeckenarten zur Verfügung, auf Wunsch auch von weiteren Zeckenspezies.  Denn Wissenschaftler an der Tick Cell Biobank entwickeln und optimieren Methoden zur Züchtung neuartiger Zellkulturen.
Besondere Aufmerksamkeit jedoch gilt dabei nach wie vor den Schild- und Lederzeckenarten sowie dem FSME-Virus und den Borreliose-Bakterien. Sie haben das größte Krankheitspotential für den Menschen. Unverändert bestehen bleiben demgegenüber die allgemeinen Zeckenschutzempfehlungen wie das Tragen geschlossener Kleidung, das Absuchen nach Aufenthalten in Zeckengebieten und das frühzeitige Entfernen der Zecke zum Schutz vor Borreliose.

Neue Wege der FSME-Risikobestimmung: Hunde können Auskunft über das Infektionsrisiko beim Menschen geben
Sekundenbruchteile entscheiden, wer das nächste Zecken-Opfer ist: Hund oder Mensch
Derzeit erfolgt die Risikobestimmung bei der von Zecken übertragenen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) auf Grundlage der Erkrankungsfälle beim Menschen. Eine Forschungsgruppe in Deutschland geht nun einen ganz neuen Weg: Sie untersucht Hunde auf FSME-spezifische Abwehrstoffe, so genannte Antikörper. Denn: So können die Forscher Rückschlüsse auf Herrchens oder Frauchens Infektionsrisiko ziehen.
Lähmungen, Atemschwäche, Sprechstörungen – das sind nur einige mögliche Spätschäden einer schlimmstenfalls tödlich verlaufenden FSME. Jedes Jahr werden in Deutschland zwischen 200 und 550 Neuerkrankungen beim Menschen gemeldet. FSME wird hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen. Der Erreger ist ein Virus. Die ersten Symptome sind erst einmal „harmlos“ – Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, mäßiges Fieber – wie eine Sommergrippe. Doch: Nach einigen Tagen Beschwerdefreiheit kann eine zweite Erkrankungsphase mit hohem Fieber und einer gefährlichen Hirnhautentzündung oder sogar einer lebensbedrohlichen Gehirn- oder Rückenmarksentzündung folgen. Und ist die Krankheit bereits ausgebrochen, gibt es keine ursächliche Therapie, aber eine wirksame und gut verträgliche Impfung. Daher muss sich niemand dem Risiko aussetzen, an FSME zu erkranken.

Offene Fragen rund ums FSME-Risiko
Wie hoch dieses ist, das errechnet das Robert Koch-Institut (RKI) jährlich basierend auf den gemeldeten Fällen und weist infolgedessen die FSME-Risikogebiete aus. „Jedoch kommt die Krankheit auch dort vor, die laut RKI nicht als Risikogebiete gelten“, sagt Martin Pfeffer Professor für Epidemiologie. Und gerade diese Teile Deutschlands seien für die Forschung besonders interessant, betont Pfeffer. Denn: „Wir haben der Statistik zufolge Gebiete, wo FSME nicht vorkommt, und andere mit sporadischen Erkrankungsfällen.“ Dieses Phänomen sei wissenschaftlich nicht einfach zu erklären. Überhaupt gebe es noch manches Fragezeichen rund um die FSME, so Pfeffer. Angefangen bei der Frage, wann eine Infektion zur FSME-Erkrankung führe, bis hin zur FSME-Virusverteilung innerhalb von Deutschlands Zeckenpopulationen. In einer sachsenweiten Studie hatte Pfeffer untersucht, wie häufig Wildtiere mit dem Virus infiziert sind. „Denn Zecken haben meist nicht den Menschen als Wirt, sondern Tiere.“ An Rehen oder Wildschweinen können im Laufe der Zeit hunderte Zecken saugen. Die Daten aus Sachsen zeigten Pfeffer zufolge, dass die Wildtiere spezifische Antikörper gegen FSME in bestimmten Landkreisen sogar im zweistelligen Prozentbereich aufwiesen.

Die Gefahr genau einschätzen
Und: „Mit dem Hund wollen wir die Brücke schlagen zwischen den Wildtieren und dem Menschen“, sagt Pfeffer. Doch welchen Hinweis kann ein FSME-infizierter Hund auf das Infektionsrisiko seines Herrchens geben? „Hunde sind nah am Menschen dran“, erklärt Pfeffer. „Sie gehen mit ihrem Herrchen raus in die Natur, der Hund bringt Zecken mit nach Hause, die genauso aber auch am Herrchen sitzen könnten. „Besitzen Hunde Antikörper gegen FSME-Viren, können wir somit Rückschlüsse auf das Infektionsrisiko für den Menschen ziehen“, so Professor Pfeffer. Sein Ziel sei eine konkretere Risikobestimmung: „Die Hundedaten vergleichen wir mit den Daten von Mensch und Wildtier, um den genauen FSME-Status nachzuvollziehen. Am Ende steht dann möglichst ein Risikomodell für den Menschen, das überall in Deutschland angewendet werden kann.“ Die Bevölkerung solle damit stärker für die Gefahr durch FSME-Viren sensibilisiert werden.

Vorsicht: Jetzt beginnt die Zeckensaison!
Nach einem langen Winter krabbeln sie aus ihrem Versteck: Zecken. Sie sind hungrig auf eine Blutmahlzeit. Doch nicht nur sie freuen sich auf ein erstes Frühjahrspicknick. Mit den wärmeren Temperaturen zieht es die Menschen nach draußen in die Natur: wandern, spazieren gehen und die Natur genießen mit der ganzen Familie. Begegnungen mit den kleinen Blutsaugern bleiben da nicht aus. In Deutschland ist es vor allem der „gemeine Holzbock“, Ixodes ricinus, welcher im Wald, auf hohen Grashalmen oder in den Büschen lauert und so manchem Naturliebhaber den Freizeit-Spaß verdirbt. So kann auch das gemütliche Familienpicknick auf der Wiese unschöne Folgen nach sich ziehen.
Vor einem Picknick in der freien Natur auch an den Zeckenschutz denken!

Vorsicht: FSME und Borreliose
Denn: Der Stich einer Zecke überträgt unter Umständen gefährliche Krankheiten.  Allen voran die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, oder kurz FSME. Tückisch: Beide Erkrankungen beginnen mit untypischen Symptomen. Während sich bei der FSME vorerst Symptome einer gewöhnlichen Sommergrippe – Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – äußern, können bei einer Borreliose-Infektion lediglich eine Rötung der Haut sowie ebenso grippeähnliche Symptome auftreten. Beschwerden, die von Betroffenen oft als „Bagatellen“ abgetan werden. Doch Vorsicht! Sowohl FSME als auch die Borreliose können schwere Verläufe mit bleibenden Folgeschäden annehmen. Besonders gefährlich: Eine mögliche Hirnhaut-, Gehirn-, oder lebensgefährliche Rückenmarksentzündung bei einer Infektion mit FSME.

Unbeschwertes Picknick ohne Risiko
Während die Borreliose mittels frühzeitigen Entfernens der Zecke vermeidbar und  mit Antibiotika gut behandelbar ist, gibt es gegen die FSME keine ursächliche Therapie. Denn die Krankheit wird durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Ist die Krankheit erst ausgebrochen, können Medikamente lediglich die Symptome lindern, mehr nicht. Doch: Der FSME kann man sehr gut vorbeugen. Mit einer Impfung. Diese enthält abgeschwächte, inaktive FSME-Viren und trainiert das körpereigene Immunsystem, sich gegen die Erreger zur Wehr zu setzen, bevor die Krankheit überhaupt ausbrechen kann. Lediglich zwei Impfungen in zwei Wochen sind nötig, um einen raschen Impfschutz für die Saison aufzubauen. Die dritte Impfung nach fünf bis zwölf Monaten sorgt für den nötigen Langjahresschutz.

 
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